Die Entstehung der Graffitibewegung


Ein 1971 erschienener Artikel in der New York Times brachte das Phänomen der New Yorker Graffiti erstmals einer breiten Öffentlichkeit zu Gesicht. Dieser Bericht verfolgte das Tun eines Fahrradboten, der auf seinen Wegen überall in New York sein Kürzel „ Taki 183 “ hinterlassen hatte.

Zahlreiche junge Leute begannen nun damit; ihren Namen auf die Wände zu schreiben
(auch tagging genannt ). Wurden anfangs noch Marker benutzt, so fand später auch die Sprühdose als Arbeitsmittel zunehmend Verwendung.

In der Folge entwickelte sich eine Art Wettbewerb unter den Jugendlichen. Es galt möglichst viele Tags an möglichst vielen und besonders riskanten Orten anzubringen, denn nur so erlangte man sich Respekt und Ruhm. Die Tags dienten aber auch zur Markierung des Territoriums der Strassenbanden.  

Da schon bald sehr viele Leute taggten, wurde es für den einzelnen immer schwerer, aus der Masse hervorzustechen. Als Folge davon nahm die kalligraphische Gestaltung der Schriftzüge zu, die Schriften  wurden grösser und bunter,  die ersten Pieces entstanden.

Es entwickelten sich schnell verschiedenste Techniken und Stile, Graffiti wurde zunehmend auffälliger und wurde nun auch über New Yorks Grenzen hinaus populär. Diverse Künstler schafften den Sprung in die Kunstszene, wo sie mit Ihren Werken gutes Geld verdienen konnten.

Barbara und Eve 62, Star III und Stitch I sind bekannte Writer dieser Zeit.

Die weiteren historischen Abläufe lassen sich nicht mehr genau rekonstruieren. Bis Anfang der achtziger Jahre wurden in New York sehr viele Züge bemalt, dann kam die Malerei auf Zügen aufgrund der massiven Strafverfolgung langsam zum Erliegen. Seit Anfang der Neunziger Jahre, entsteht in N.Y. nach und nach wieder eine nennenswerte Zugsmalerszene. Auslöser hierfür sind vor allem die sehr aktiven europäischen Writer und die von ihnen herausgegebenen Graffiti-Magazine.

Die Karriere der New Yorker Graffiti wurde in Europa immer mit besonderer Aufmerksamkeit beachtet.

Am Anfang ( 1984 ) versuchten viele auch, genau das nachzumalen, was sie aus N.Y. gesehen hatten und übernahmen teilwiese sogar die Namen. Sprühdosen waren teuer und die damals 12 – 15jährigen Kids fanden sich allein auf weiter Flur, wenn sie sich für Graffiti interessierten.

Allmählich fing sich die ganze Sprühszene an zu vergrössern, nicht zuletzt dank Graffitifilmen mit Titeln wie „Stylewars“ oder „Beatstreet“. Seit den 80er Jahren erlebt die Schweiz einen regelrechten Graffitiboom. Eine höchst aktive Szene, mehrere Magazine und eine Reihe von Zentren der Writing-Bewegung kenn-zeichnen das Land.

Städte wie vorallem Zürich und Basel, aber auch Bern, Luzern und Zug haben seit Jahren eine sehenswerte Sprühkultur.

Die Beweggründe Graffiti zu malen sind unterschiedlich haben aber nur in seltenen Fällen mit Zerstörungswut, Schmiererei und Vandalismus zu tun. Graffiti ist der Ausdruck von Kreativität und stellt für viele Jungendliche einen Rückhalt und Lebensinhalt dar. 

Beweggründe/Motivation für Graffiti
Bei einer Untersuchung stellt die Universität Potsdam bei den Sprüher verschiedene Motivationen fest :

          Streben nach eigener Verbesserung, Fortschritte machen (Ehrgeiz)
          Positive Emotionen → abschalten vom Alltag, abreagieren, Stimmung verbessern,
           drogenrauschähnlicher Kick beim Sprühen
          Kreativität (Ideen & Vorstellungen verwirklichen, Gefühle ausdrücken)
          Gruppengefühl (Geborgenheit, Zusammenhalt)
          Ruhm (englischen Fame) zu erlangen
          Lebenssinn
          Grenzerfahrungen machen (Angst, Gefahr erleben und überwinden)
          Selbstverwirklichung

Den drogenähnlichen Rauschzustand, den Sprüher immer wieder erleben, hat man sonst nur bei Extremsportlern, wie zum Beispiel Felskletterern festgestellt und er tritt überraschenderweise gleichermaßen bei legal (Ruhm und Leistung) als auch bei illegal (Grenzerfahrung) arbeitenden Writern auf. Gleichzeitig bedeutet illegales Malen jedoch auch ein hohes Mass an psychischem und physischem Stress.

Dieser Stress kann ein Grund für einen Writer sein, auf legales Malen umzusteigen. Oftmals spielt auch der finanzielle Aspekt beim Umstieg eine Rolle, da erstens die Dosen sehr teuer sind und beim Kontakt mit dem Gesetz im Zusammenhang mit illegalen Graffitis oftmals hohe Kosten für Reinigung und Bussen entstehen.

 

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